Mittwoch, 4. Februar 2009

Meinungen

Ich bin ein Mensch mit einem Hang zur Arroganz und zu Egozentrismus, glaube ich. Wenn ich eine Meinung habe, fällt es mir oft schwer, nachzuvollziehen, wie jemand anderes eine andere Meinung haben kann. Neulich ist mir das heftig aufgefallen. (Obwohl ich glaube, dass es mir ganz gut gelungen ist, auf die Meinung meines Mitmenschen einzugehen.)
Es ging um den Fall, den Annalist in ihrem Blog neben anderen behandelt, zusammengefasst nachzulesen hier und hier.
Ich empöre mich über die Vorgehensweise unseres Staates in diesem Fall (und anderen Fällen) immer wieder und werde dann traurig darüber, in welch düstere Zukunft ich glaube zu blicken. Aber das ist ein anderes Thema.
Jedenfalls erzähle ich recht gern von Annalist und ihrem Fall, um mit den bescheidenen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, auf diese Ungeheuerlichkeiten hinzuweisen. So habe ich neulich meinem Bekannten K. davon erzählt. Der reagierte nicht mit Unglauben, sondern vertrat die Ansicht, dass (Total-)Überwachung angesichts der assymmetrischen Bedrohungslage durchaus gerechtfertigt ist. Für sich persönlich sagte er, dass er bereit sei, sich überwachen zu lassen, damit die Bedrohung durch Terroristen bekämpft werden kann. (Er hat einige Einschränkungen gemacht, die durchaus beinhalten, dass das BKA sich im Fall von Andrej Holm falsch verhält.)
Trotzdem fällt es mir als eindeutig linken Mitbürger, der seine Freiheit bedroht sieht - im Gegensatz zu seiner Sicherheit -, schwer, diese Meinung von jemandem, der "im jetzigen Stadium [...] tatsächlich bereit [ist seine] Privatssphäre aufzugeben um es Terroristen nicht zu ermöglichen [Fuß in] unserem Land fassen zu lassen" nachzuvollziehen und zu akzeptieren, dass es eine legitime Haltung ist. Dabei ist sie das selbstredend. Es hat mich einige Zeit gekostet, das so zu realisieren.
Das hindert mich nicht daran, anderer Meinung zu sein und seine Meinung argumentativ zu entkräften zu versuchen. :-)